9 Tage Israel: Eindrücke

Jerusalem Felsendom

Jerusalem: der Tempelberg mit Felsendom

Mitte Mai war ich für neun Tage in Israel. Mein letzter Besuch dort lag fast 10 Jahre zurück – und so war für mich besonders spannend, ob sich meine Erinnerung mit der vorgefundenen Realität deckt. Die Antwort darauf lag – wie meist – genau dazwischen: vieles faszinierte mich genauso wie früher, etwa der Blick vom Ölberg auf die Altstadt von Jerusalem oder der Anblick des See Genesareth, andere Orte hatte ich gänzlich anders in Erinnerung, etwa die Altstadt von Akko.
Fotografisch hatte ich mich nach langem Für und Wider für „leichtes Gepäck“ entschieden. Neben einem Handy – ich hatte das Xiaomi Redmi 3 dabei – nahm ich auf die Reise „nur“ meine Olympus Pen Lite (E-PL 7) mit einem 12-50mm-Objektiv mit. Eine gute Wahl, denn die Fotos sprechen durchweg für sich, allerdings mit Abstrichen beim Handling, auf die ich in einem späteren Artikel noch einmal genauer eingehen möchte.

Hier jedoch einige Fotoeindrücke meiner Reise.

Israel

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Die Galette

Die Galette

Canon 70D – 1/800s, 270mm, f/6.3 bei 200 ISO und Blendenautomatik.

Das Foto entstand auf einem Hafenfest in der Bretagne, in Paimpol (Côtes-d’Armor), das ich zufällig besuchte. Dort gab es einen Stand, an dem herzhafte Galettes (bretonische Buchweizenpfannkuchen) frisch gebacken wurden.
Durch den dunklen Hintergrund und den Lichteinfall dampfte die heiße Crêpière sehr, sehr plastisch und der leckere Geruch der Galettes trug meterweit. Wegen des Andrangs am Stand kam ich aber nicht richtig nah ran und musste mein Tamron Reisetele voll ausfahren (270mm). In der Menschenmenge (ich wurde ständig angerempelt) machte ich freihändig schnell zwei Fotos, als ich auf die Crêpière kurz mal freie Sicht hatte. Ein Foto wurde leider etwas unscharf und ich erwischte auch nicht den „richtigen Moment“ – siehe das Foto weiter unten. Das obige Foto finde ich eigentlich sehr schön, es wurde von mir ein wenig am oberen Rand beschnitten und ein wenig nachgeschärft.

Das Bild habe ich im Februar zur Besprechung auf fokussiert.com eingereicht, wo ein Team von Fotografen regelmäßig die bemerkenswertesten der eingereichten Fotos aus den Nutzer-Uploads auswählt und veröffentlicht – inklusive detaillierter Analyse, sowie mit Tipps und Hinweisen.

Dort wurde mein obiges Foto am 27. März 2016 von Peter Sennhauser besprochen.
Seine gute Besprechung hat mir auch noch einmal geholfen, die eigene, eher unbewusst intuitiv und spontan arrangierte Komposition zu reflektieren und besser zu verstehen.
Er leitet seine Besprechung ein mit den Worten:

„Mit dem richtigen Licht oder etwas Nachbearbeitung wird aus dem  Schnappschuss eines Alltagsvorganges plötzlich eine poetische Szene. Kleine Brüche schaffen einen besonderen Reiz.“

galette_erster_Versuch by ulrich-berens.de.

Die Galette – 1. Versuch: Leichte Unschärfe, die Schulter eines Passanten in der linken, unteren Bildhälfte und vor allem: nicht der richtige Moment!

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Jazz & Kunst 2016: Meine meist diskutierten Bilder

Kollektiv der Sozialistischen Arbeit

„Kollektiv der Sozialistischen Arbeit“, Wismar

Beim diesjährigen Jazz&Kunst Event am 4. März im Zeughaus in Donauwörth habe ich insgesamt 18 Fotografien ausgestellt. Nachdem ich im vergangenen Jahr an gleicher Stelle nur Schwarzweiß-Fotos präsentierte, die vor allem in der näheren Umgebung rund um Donauwörth entstanden waren, zeigte ich diesmal hauptsächlich Farbfotografien, die ich an unterschiedlichen Abschnitten der französischen Atlantikküste aufgenommen hatte. Die subjektive Gefälligkeit meiner Landschaftsaufnahmen durchbrachen dabei Bilder, die eben nicht „schön“ im landläufigen Sinn sind, sondern einen guten Anteil an Rätselhaftigkeit mitbringen, und die ich gerade darum mit in die Ausstellung hineinnahm. Drei dieser Fotos wurden vom Publikum besonders intensiv diskutiert – und die möchte ich hier zeigen und kurz darauf eingehen.

Kollektiv der Sozialistischen Arbeit

Zum obigen Bild „Kollektiv der Sozialistischen Arbeit“ bin ich während der Ausstellung gefragt worden, ob ich das Foto für meine Aufnahme vorher so drappiert und arrangiert hätte. Das kann ich guten Gewissens verneinen 🙂 Beim Rundgang durch Wismar bin ich auf ein Schaufenster gestoßen, das zu einem unbewohnten, halb heruntergekommenen Haus gehörte, in dem sich anscheinend vormals zu DDR-Zeiten eine Metzgerei befand. Das Motiv lag also wirklich genau so „im Schaufenster“, und ich hab es im Vorbeigehen wahrgenommen und fotografiert. Es ist für mich ein sprechendes Symbol des Abgesangs auf die DDR-Diktatur.

Die Wachsmänner

Die Wachsmänner

Die Wachsmänner, Paris

Dieses rätselhafte, irgendwie auch intime, sensible und stille Motiv habe ich während eines Rundgangs durch das Quartier Latin in Paris entdeckt. Es handelt sich um ein Plakatmotiv, das auf eine Ausstellung von Agnès Baillon in der Galerie Felli hinwies. Baillon ist eine Pariser Bildhauerin, die in Wachs, weißem Harz, aber auch in Pappmachè, Gips zum Teil lebensgroße Figuren erstellt, diese oft zu Gruppen arrangiert. Die Künstlerin versucht mit Ihren rätselhaften Figuren, die eine merkwürdige Stille ausstrahlen, nach eigenen Worten die Schönheit der menschlichen Natur zu kommunizieren und die Haut und die Zerbrechlichkeit des lebenden Körpers zu reproduzieren.

Vermutlich Märtyrer

Das letzte Foto entstand im Benediktinerkloster Metten. Als ich es besuchte, wurden Teile der Kirche gerade restauriert. Im Eingangsbereich der Kirche standen einige Skulpturen herum, die zum Schutz vor Dreck während der Renovierungsarbeiten in große weiße Tücher gewickelt und mit Klebeband fixiert waren.

Vermutlich Märtyrer

„Vermutlich Märtyrer“, Klosterkirche Metten

Das sah im Kontext einer so prächtigen Barockkirche befremdlich, aber eben auch interessant aus. Zumal ja „Verhüllung“ auch in der katholischen Kirche stets einen besonderen Zweck erfüllen kann, etwa in der Fastenzeit, in der oft Altarbilder verhängt werden. „Verhüllung“ durchbricht dabei Sehgewohnheiten und macht neugierig. Es kann „Fasten für die Augen“ sein. Faszinierend hier für mich ist das Schwert, das seltsam aus der Figur herausragt und die verhüllte Erscheinung noch rätselhafter erscheinen lässt. Welcher Heiliger hier dargestellt und verhüllt ist, konnte ich nicht genau ermitteln. Das Attribut „durchbohrt vom Schwert“ deutet wohl auf Maria hin, es kann aber auch der Heilige Bonifatius gemeint sein.

Interessant finde ich, dass in unseren Breitengraden Verhüllung – den Phobien der Zeit folgend – in religiösem Kontext mittlerweile hauptsächlich mit dem radikaleren Islam in Verbindung gebracht und irgendwie bedrohlich und rückwärtsgewandt empfunden wird (Tschador, Burka usw.). Dass auch das Christentum Verhüllung als Zeichen einer bestimmten religiösen Lebenshaltung pflegte und pflegt, z.B. in  Ordenstrachten, ist weitgehend aus dem Blick.

Da ich die Mettener Klosterkirche und die Klostergebäude bereits bei anderer Gelegenheit mit meiner Kamera fotografiert hatte, ließ ich sie dieses Mal im Wagen und hatte leider nur meine „Handyknipse“ dabei. Dennoch ist es ein schönes Bild geworden und zeigt: Ausstellungswürdiges bedarf nicht unbedingt eines Kamera-Boliden 😉

jazzundkunst2016 by .

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Malta: Die Blaue Gotte

Malta: Die Blaue Grotte by ulrich-berens.de.

Die „Blaue Grotte“ im Süden Maltas

Anfang Februar war ich für drei Tage auf Malta und habe dort einen kräftigen Schluck Sommer mitten im Winter genommen. 🙂 Meine Kameraausrüstung beschränkte sich auf das Allernotwendigste: meine Canon 70D, vier volle Akkus (kein Ladegerät!) und als Objektiv das „Allzweck“-Mega-Zoom 16-300mm F/3.5-6.3 Di II VC PZD Macro von Tamron. Während der Zeit auf Malta war ich mit dem Mietauto unterwegs, um flexibel zu den Sehenswürdigkeiten zu kommen, die ich besuchen wollte. Dabei interessierte mich hauptsächlich die teilweise schon spektakuläre Küste. Der Norden Maltas ist eher städtisch geprägt, der Süden und Südwesten bieitet – neben der Nachbarinsel Gozo – die meiste Natur für Maltabesucher. Im Februar herrscht hier zudem Frühling, während die Insel im Sommer vor allem gelb und ocker aussieht, bringt der Februar darum etwas mehr Grün ins Bild.

Ein Touristenmagnet ist die sogenannte „Blaue Grotte“ bei Zurrieq. Mag mag sich nicht ausmalen, was hier im Sommer oder zur Urlaubszeit los ist – im Februar herrscht hier jetzt noch gemächliche Ruhe. Das Foto nahm ich von einer Klippe gegenüber der „Blauen Grotte“ auf und ich stelle es hier so vor, wie es als JPEG aus der meiner Canon 70D kam. An den satten, mediterranen Farben kann ich mich ebenso erfreuen wie an der an sich sehr guten Bildschärfe, die das Allzweckzoom von Tamron mit aufs Bild bringt. Zwar kommt es bei voll ausgefahrenem Zoom bei mit freier Hand aufgenommenen Fotos natürlicherweise zu Unschärfen, die jedoch verkraft- und korrigierbar sind. Im Weitwinkelbereich gibt es ebenfalls bauarttypische Verzerrungen. Das bei der vorliegenden Aufnahme der Horizont eine leichte Wölbung aufweist, finde ich nicht weiter dramatisch. Wenn ich am Meer bin, habe ich subjektiv selbst immer den Eindruck, dass ich den leicht gewölbten Horizont der Erdkugel sehe.
Alles in allem ist das Tamron ein Top-Reiseobjektiv für alle, die für jede fotografische Situation gerüstet sein möchten!

Hier noch weitere Bilder – außer der Größe wurden keine Korrekturen vorgenommen:

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Triest: Molo Audace, abends

Molo Audace by Ulrich Berens.

Molo Audace in Triest im Abendlicht – eingefangen mit dem iPhone 6plus

iPhoneografie, die Fotografie mit dem iPhone, ist ja längst eine Kunstform für sich. IPhone-Fotografen halten Einzug in Museen, Galerien und veröffentlichen Bildbände, gefüllt mit den erstaunlichsten Fotografien. Ich muss zugeben, dass die tolle Fotoqualität des iPhones letztendlich der Grund für mich war, mir selbst so ein Applegerät anzuschaffen.
Obiges Foto entstand kurz vor Sonnenuntergang Anfang November in Triest. Der Hafen-Kai „Molo Audace“ ist heute Flaniermeile in Triest, das sich an der Piazza dell’Unità d’Italia, die auch die „Große Piazza“ genannt wird, großzügig zum Meer hin öffnet. Und wer abends in Triest-Mitte den Sonnenuntergang genießen möchte, geht auf die Molo Audace. Entsprechend bevölkert war der Kai auch an dem wunderbar milden Novemberabend, an dem dieses Foto entstanden ist.
Bei wenig Licht zu fotografieren, führt jede Kamera, egal ob Smartphone oder Kamera-Bolide, an ihre technische Grenzen. Da muss man einfach schauen, ob die Ergebnisse trotz der technischen Einschränkungen qualitativ akzeptabel sind. Bei vorliegendem iPhone-Foto würde ich letzteres bejahen, denn trotz der späten Stunde macht das iPhone seine Sache auch bei wenig Licht ziemlich gut. Auch wenn das Foto technisch nicht perfekt ist, bringt es die Lichtstimmung an diesem Triester Herbstabend sehr gut rüber.

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On the road

Im Tunnel by (c) Ulrich Berens.

Im Tunnel – fotografiert mit Canons Einsteiger-DSLR 1200D und Standard-Kit-Objektiv, 18-55mm, bei ISO 6400

Seit dem Frühsommer besitze ich als „Backup-Kamera“ eine Canon 1200D, die ich jetzt Anfang November für einige Tage während eines Kurztrips nach Oberitalien dabei hatte. Während der kurzen Reise wollte ich nur eine leichte, im Zweifel aber doch gerade am Abend oder bei wenig Licht leistungsfähige Kamera dabei haben. Dazu packte ich nur das Standard-Kit-Objektiv, EFS Canon f/3.5-5.6 IS STM ein. Keine High-End-Ausrüstung also, die aber aufgrund des geringen Gewichtes an der Schulter ein angenehm leichter Begleiter ist.
Über die haptische Qualität dieses Standard-Zoom-Objektivs, das ja vorwiegend aus Plastik besteht und den Ruf einer „Anfängerscherbe“ hat, kann man sicher streiten. Die Fotoergebnisse überzeugen mich jedoch durchweg, anders jedenfalls als eines der Vorgängermodelle, das ich bereits 2008 kurz in Augenschein nehmen konnte und wegen mangelnder (Bild-)Qualität schnell wieder verkauft habe.
Das obige Foto machte ich bei voller Fahrt – natürlich als Beifahrer – in einem Tunnel auf der Autobahn A23 zwischen Tarvisio und Gemona im Friaul – durch die Windschutzscheibe. Das Foto ist lediglich in schwarz-weiß umgewandelt, sonst nicht weiter bearbeitet. Ich finde, es zeigt gut, welches Potential aktuelle DSLR auch im Einsteigersegment mit sich bringen. Trotz hoher, von der Kamera automatisch gewählter ISO-Zahl von 6400 finde ich das Foto gelungen, es fängt die Geschwindigkeit förmlich ein, lenkt und zieht das Auge in die Tiefe und zeigt schöne Tonwertabstufungen. Auch das vorhandene Rauschen stört hier nicht weiter, sondern passt zum Bildmotiv.

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Pointe du Raz im letzten Sonnenlicht

Pointe du Raz by Ulrich Berens

Pointe du Raz – Finistere

Nach 5 Jahren „Abstinenz“ war ich im Sommer diesen Jahres wieder einmal in der Bretagne. Während die Sichtung der dort entstandenen Fotos noch anhält, bringe ich hier als Vorgeschmack ein Bild, das ich 2007 bei meinem ersten Besuch in der Bretagne an der Pointe du Raz, dem äußersten westlichen Zipfel Frankreichs, im Abendlicht geschossen habe. Das bretonische Wort Raz bezeichnet eine besonders heftige Meeresströmung und tatsächlich ist das Meer rund um das Kap sehr gefährlich. Das peitschende Meer und die Witterung haben dramatische Felsformationen geschaffen. Hier ist – im Wortsinn – „Finistere“, also die Welt zu Ende…
An der Pointe du Raz habe ich einige sehr eindrucksvolle Sonnenuntergänge erlebt, die das Meer und die der Küste vorgelagerten Leuchtturminseln in ein tiefgoldenes Licht tauchen können. Ganz klein am Horizont sieht man noch die acht Kilometer entfernt vor der Küste liegende Île de Sein. Zwei heute unbewohnte Leuchttürme befinden sich auf den zwei Inselchen davor: der Phare de la Vieille und der Phare de Tévennec.

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